Berufliche Bildung

Viele Menschen mit einer geistigen, psychischen und/oder körperlichen Behinderung stehen vor der Frage, wie sie für sich den (Wieder-)Einstieg ins Arbeitsleben gestalten können.

Schulabgängern und Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keinen Arbeitsplatz finden, steht nach § 102 SGB III die Möglichkeit offen, eine berufliche Bildung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) durchzuführen. Die in der Regel zweijährige Maßnahme wird über die Agentur für Arbeit oder den Rentenversicherungsträger finanziert und soll den Teilnehmern ihre Möglichkeit der Eingliederung ins Arbeitsleben und die persönliche Auseinandersetzung mit dem Weg dorthin eröffnen.

Um für jeden Teilnehmer das optimale Arbeitsfeld als Mittel seiner gesellschaftlichen Integration herauszufinden und ihn für diese Aufgabe zu qualifizieren, bilden wir in den Mürwiker Werkstätten in verschiedenen Berufssparten aus.

  • Metallbearbeitung
  • Holzbearbeitung
  • Verpackung
  • Montage
  • Elektromontage
  • Industriestickerei
  • Näherei
  • Druckerei und Weiterverarbeitung
  • digitale Archivierung
  • Aktenvernichtung
  • Besen/Bürstenfabrikation
  • Autopflege
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Küche
  • Landwirtschaft

Die Anforderungen an die Qualität unserer Produkte sind hoch und stellen somit auch Anforderungen an die Leistung unserer behinderten Kolleginnen und Kollegen. Diese zu erfüllen, dabei hilft die Berufliche Bildung.



Berufliche Bildung was bedeutet das?


Zunächst geht es darum herauszufinden, was liegt dem/der Teilnehmer/in? Für welchen Bereich möchte er/ sie sich qualifizieren?

Im ersten Jahr, im sogenannten Grundkurs, lernt er/sie verschiedene Arbeitsbereiche durch Lehrgänge und Praktika kennen. Lehrgänge finden in der Gruppe statt, in der grundlegende Fachkenntnisse zu den verschiedenen Arbeitsbereichen erarbeitet werden. Nach jedem Lehrgang kann das Gelernte dann in einem Praktikum in einer der Produktionsgruppen gefestigt und weiterentwickelt werden. Auch Praktika außerhalb der Werkstatt sind möglich. Nach einem Jahr entscheidet sich der/die Teilnehmer/in für einen Arbeitsbereich, für den er/sie sich qualifizieren möchte.

Im zweiten Jahr, im sogenannten Aufbaukurs wird man praktisch in der gewählten Produktions- oder Dienstleistungsgruppe ausgebildet. Die Arbeiten werden von der Pike auf erlernt. Mehrere Wochen im Jahr finden Unterrichtsangebote statt, in denen ähnlich der Berufsschule Fachwissen vermittelt wird. Es werden Kurse angeboten, zur Bedienung von Maschinen und Arbeitsgeräten oder allgemeine Themen, die für die Selbständigkeit und das Leben als Arbeitnehmer wichtig sind (Kontoführung, Bewerbungstraining, Lesen, Schreiben, Rechnen, Mitbestimmung in der Werkstatt und vieles mehr).

Über den gesamten Zeitraum der Beruflichen Bildung bleibt der Gruppenzusammenhang erhalten. In der Gruppe erfährt man mehr über grundlegende Kenntnisse (wie z.B. Messen, Wiegen, Farben, Materialeigenschaften) und man nimmt an begleitenden Maßnahmen teil. Hierbei werden lebenspraktische Kenntnisse vermittelt. Ebenso werden Exkursionen, Ausflüge und Freizeiten, Sport und kreatives Arbeiten sowie Besuche von kulturellen Veranstaltungen angeboten.

 
Einstieg ins Arbeitsleben, was bedeutet das?


Neben der fachlichen Ausbildung geht es auch darum, eigene Wünsche und Fähigkeiten wahrzunehmen, Regeln und Anforderungen des Arbeitslebens zu erkennen und zu verstehen. Im Grunde geht es darum, eine Balance zwischen eigenen und gesellschaftlichen Erwartungen zu finden.

Es gibt viel Neues und Unbekanntes - regelmäßig zur Arbeit kommen, den Arbeitstag durchhalten, Pausen einhalten und sorgfältig Arbeiten. Kollegen kennenlernen, mit Vorgesetzen umgehen, Wünsche äußern, seine Interessen vertreten und vieles mehr - auch dafür bieten wir Unterstützung. Für die Perspektive, relativ unabhängig zu werden, entsprechend der eigenen Leistungsfähigkeit seinen Unterhalt zu verdienen und Anerkennung zu finden, lohnt sich die Mühe.

Für jeden Teilnehmer entwickeln wir einen individuellen Förderplan, der vorhandene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen berücksichtigt. Die angestrebten Lernziele werden in der Gruppe, im Arbeitsbereich, aber auch in Einzelförderung verfolgt, überprüft und immer wieder überarbeitet.

Wenn Lernen nur so einfach wäre. Wer kennt die Schwierigkeiten nicht. Wir nehmen Rücksicht darauf, wir lassen den Teilnehmern die Zeit, die sie brauchen. Lernen heißt bei uns nicht pauken, sondern gemeinsam herauszufinden, wie es am besten gelingt. Und - auch nach der Beruflichen Bildung bieten wir unseren behinderten KollegInnen Fortbildung an.


Berufliche Bildung für Menschen mit psychischer Behinderung bzw. Erkrankung

In unseren Werkstätten "Spektrum" und "nova" bieten wir speziell für diese Personengruppe eine berufliche Bildung an, in der eine fachliche Qualifizierung mit einem Training zur psychosozialen Stabilisierung verbunden wird. Förderung der emotionalen Belastbarkeit, Erlangen von psychischer Stabilität, Umgang mit der Behinderung oder Krankheit, Kontakt- und Gruppenfähigkeit, Steigerung von Ausdauer und Leistungsfähigkeit und eigenverantwortliches Arbeiten sind wesentliche Ziele der Rehabilitation. Im Spektrum und in der nova werden folgende Arbeiten durchgeführt: Industriemontage, Verpackungsarbeiten, Herstellung und Weiterverarbeitung bzw. Vermarktung von Druckerzeugnissen (Offsetdruck und Digitaldruck), Bürodienstleistungen, digitale Archivierung, Aktenvernichtung, kreative Eigenprodukte.

Als berufsfördernde Maßnahmen bieten wir PC-Kurse, Satz und Layout, Einweisung in Fahrzeuge und technische Geräte, verschiedene Prüfungshilfen und Fremdsprachenkurse etc. an. In Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Arbeit werden Hilfen zur beruflichen Integration, wie Bewerbungstraining und die Begleitung bei externen Praktika durchgeführt, die eine Wiedereingliederung auf dem allgemeinen Arbeitmarkt zum Ziel haben.

Sportliche Aktivitäten (Tischtennis, Schwimmen, Wanderungen und ganzheitliche Bewegungsangebote wie Qi Gong), sowie kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen und ein eigener Werkstattchor begleiten die persönliche Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Anforderung Arbeit. Wir bieten so die Möglichkeit, die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu üben sowie eigene Fähigkeiten zu erkennen und weiterzuentwickeln.

Die Kosten der Maßnahme werden von der Agentur für Arbeit oder dem Rentenversicherungsträger übernommen.


Mürwiker Werkstätten GmbH
Berufliche Bildung
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